Pater Andreas Endl

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Himmel, Hölle, Fegfeuer

Die Seele steht nun nackt und bloß, nur mit ihren geistigen Fähigkeiten Verstand und Wille, Gott gegenüber. Diejenige Seele, die sich in der Todsünde und daher in der Trennung von Gott befindet, wendet ihren Willen sofort weit vom Angesicht Gottes. Freiwillig hat sie sich von Gott getrennt und kann und will diese Trennung jetzt nicht mehr rückgängig machen. Sie flieht vor Gott.

Da die Seele unsterblich ist, lebt sie von jetzt an in ewiger Trennung von Gott. Den Zustand und Ort dieser ewigen Trennung von Gott, dem Ziel aller Sehnsüchte und der Quelle aller Freuden, nennen wir die Hölle.

In der Hölle leiden die Seelen nicht nur unsagbare Qualen durch die endgültige Trennung von Gott, es werden ihnen auch noch zusätzliche Strafleiden auferlegt für ihre bösen Werke, die nicht nur gegen den Schöpfer, sondern auch gegen die Schöpfung gerichtet waren. Daraus besteht die doppelte Pein in der Hölle, die das Evangelium in den schrecklichsten Worten schildert.

Wir lesen vom "Feuerofen", wo "Heulen und Zähneknirschen" sein wird (Mt. 13, 50), von der "ewigen Pein" (Mt. 25, 46) und dem "unauslöschlichen Feuer, wo ihr Wurm nicht stirbt und das Feuer nicht erlischt." (Mk. 9, 43 ff) "Der Wurm", das ist die Gewissenspein, durch eigene Schuld ewig von Gott getrennt zu sein; das Feuer, das "nicht erlischt", sind die zusätzlichen Strafleiden.

Ganz anders die Seelen, die im Stande der heiligmachenden Gnade und daher in der Liebe zu Gott vom Leib scheiden. Die Liebe treibt ihren von der Erdenschwere befreiten Willen förmlich in die "Arme" Gottes, dessen Natur sie durch die Gnade bereits in sich tragen. Nun werden sie ihn ewig schauen und liebend besitzen, in ewigem Glück und ewiger Freude. Und das nennen wir den Himmel.

Christus spricht mehrfach vom Himmel, von der ewigen Glückseligkeit: "Euer Herz wird sich freuen, und eure Freude wird niemand von euch nehmen." (Joh. 16, 22) – "Ihr sollt essen und trinken an meinem Tisch in meinem Reich und auf Thronen sitzen und die zwölf Stämme Israels richten." (Lk. 22, 30) Er spricht vom besonderen Lohn: "Freut euch und frohlockt, denn euer Lohn ist groß im Himmel." (Mt. 5, 12) Doch übersteigt die Wonne des Himmels so sehr jede menschliche Vorstellungskraft, dass der hl. Paulus sagt: "Kein Auge hat es gesehen, kein Ohr gehört und in keines Menschen Herz ist es gedrungen, was Gott denen bereitet hat, die ihn lieben." (1 Kor. 2, 9)

Es gibt aber auch Seelen, die zwar im Tod durch keine Todsünde von Gott getrennt sind, jedoch noch zeitliche Strafen für lässliche Sünden abzutragen haben. Obwohl sich diese Seelen im Stand der Gnade und der Liebe zu Gott befinden, können sie doch, durch die ihnen noch anhaftenden Makel beschwert, dem Trieb ihres Willens zu Gott nicht Folge leisten. Solche Seelen müssen daher zuvor von ihren Makeln gereinigt werden.

Dafür gibt es den Reinigungsort, der auch Fegfeuer genannt wird. Man nennt ihn so nach dem hl. Paulus, der im 1. Korintherbrief von demjenigen spricht, dessen Werke zwar auf den rechten Grund (d.i. die Gnade) gebaut sind, aber vor Gott nicht bestehen können: "Er selbst aber wird selig werden, jedoch so wie durch Feuer hindurch." (1 Kor. 3, 15) Aus dem Fegfeuer kommt die Seele erst frei, wenn sie "den letzten Heller bezahlt" hat (Mt. 5, 26). Dann aber, vollkommen gereinigt und durch nichts mehr behindert, kann sie dem Ruf der Liebe folgen: "Gehe ein in die Freude deines Herrn!"(Mt. 25, 21)

Quelle: Archiv der Herz Jesu Franziskaner. Überarbeitet von Andreas Endl

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Die Vollendung der Welt

"Es wird aber der Tag des Herrn kommen wie ein Dieb, und an ihm werden die Himmel zusammenkrachend vergehen, die Elemente brennend sich auflösen, und auch die Erde und die Werke auf ihr werden sich darunter befinden." (2 Pet. 3,10)

"Wir erwarten aber nach seiner Verheißung einen neuen Himmel und eine neue Erde, worin die Gerechtigkeit wohnt." (2 Pet. 3, 13)

Der Mensch besteht aus Leib und Seele. Darum sind die abgeschiedenen Seelen ohne Leiber unvollständige Menschen. Die endgültige Vollendung der Welt verlangt aber Vollkommenheit. Auch verlangt es die Gerechtigkeit, dass auch die Leiber der Menschen, mit denen sie Gutes oder Böses getan haben, ihren Anteil am Lohn oder der Strafe erhalten. Darum hat Gott einen Tag festgesetzt, an dem die Seelen ihre Leiber wieder erhalten: den Jüngsten Tag, das Ende der Welt.

Quelle: Archiv der Herz Jesu Franziskaner. Überarbeitet von Andreas Endl

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Die Reinigung der Erde

Die materielle Schöpfung dient dem Menschen dazu, die ewige Seligkeit zu erlangen. Erreicht er sein Ziel, so erhält seine Seele Anteil am Leben und an der ewigen Herrlichkeit Gottes. Durch die Seele erhält auch der Leib nach seiner Auferstehung Anteil an dieser Herrlichkeit Gottes. Und da die ganze materielle Schöpfung auf die Seligkeit des Menschen ausgerichtet ist, soll auch sie für und durch die Menschen Anteil an dieser Herrlichkeit Gottes erlangen.

Deshalb schreibt der hl. Paulus im Römerbrief von der Hoffnung, die Gott gab, "dass auch sie, die Schöpfung, von der Knechtung an die Vergänglichkeit befreit wird zur Freiheit und Herrlichkeit der Kinder Gottes." (Röm. 8, 21)

Durch die Sünden der Menschen hat auch die Schöpfung gelitten. "Denn wir wissen, dass bis zur Stunde die gesamte Schöpfung in Seufzen und Wehen liegt." (Röm. 8, 22) Das zeigt unsere so vielfach zerstörte Umwelt gerade heute in erschreckender Weise. Darum ist es notwendig, dass sie zuvor gereinigt, geläutert und wiederhergestellt wird. Auch das wird am Jüngsten Tage geschehen. Die bestehende Schöpfung wird von Gott aufgelöst und erneuert. "Und ich sah einen neuen Himmel und eine neue Erde; denn der erste Himmel und die erste Erde sind vergangen, auch das Meer ist nicht mehr." (Off. 21, 1)

Auf dieser neuen, gereinigten, verklärten Erde wird dann die Wohnstätte der Seligen des Himmels sein. Die Hl. Schrift spricht von dieser Wohnstätte als vom "neuen Jerusalem", der "heiligen Stadt Jerusalem, die von Gott aus dem Himmel herniederstieg in der Herrlichkeit Gottes." (Off. 21, 10)

Doch diese Stadt kann nur von den Gerechten, den Heiligen und Verklärten bewohnt werden, die in der Freundschaft Gottes stehen. "Den Feiglingen aber und den Treulosen, den Unheiligen und Mördern, den Unzüchtigen und Zauberern, den Götzendienern und allen Lügnern wird ihr Anteil sein im See, der von Feuer und Schwefel brennt; das ist der zweite Tod." (Off. 21, 8)

Quelle: Archiv der Herz Jesu Franziskaner. Überarbeitet von Andreas Endl

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Das Jüngste Gericht

Vor dieser letzten Vollendung der Welt gibt es also noch einmal eine Scheidung der Guten und der Bösen. Wir nennen diese Scheidung das Jüngste Gericht.

Die Seelen der Menschen sind bereits nach ihrem Tod im persönlichen Gericht an ihren Platz verwiesen worden. Nun aber werden die vollständigen Menschen, mit Leib und Seele, ein zweites Mal gerichtet.

Das Menschengeschlecht ist eine Einheit. Alle Menschen bilden zusammen eine Familie, bei der die Taten oder Unterlassungen des einen immer notwendig auch Folgen haben für die anderen. Darum müssen jetzt auch die Taten aller Menschen aller Zeiten für alle Menschen aller Zeiten offenbar werden. "Denn nichts ist verborgen, das nicht offenbar wird; und nichts ist geheim, das nicht bekanntwerden und an den Tag kommen wird." (Lk. 8, 17) Das geschieht beim Jüngsten Gericht. Deshalb nennen wir es auch das "allgemeine Gericht".

Quelle: Archiv der Herz Jesu Franziskaner. Überarbeitet von Andreas Endl

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Die endgültige Scheidung

"Ich sah die Toten, groß und klein, vor dem Thron stehen, und Bücher wurden geöffnet. Ein eigenes Buch wurde geöffnet, das ist das Buch des Lebens, und die Toten wurden aus dem, was in den Büchern war, gerichtet nach ihren Werken." (Off. 21, 12)

Die Gutes getan haben und in der Gnade Gottes gestorben sind, erhalten ihren Leib in verklärtem Zustand zurück. Ihre Leiber sind jetzt also nicht nur vollkommen, ohne Makel, unversehrt, unverletzlich und unsterblich. Dazu kommt noch Klarheit des Leibes, d.h. ein strahlender Glanz, der von der Herrlichkeit der Seele auf den Leib überfließt; Beweglichkeit und Leichtigkeit, d.h. dass die Seele den Leib mit Leichtigkeit bewegen kann, wohin sie nur will; Geistigkeit des Leibes, d.h. dass der Leib dem Geist so vollständig unterworfen ist, dass er jedem Wink des Willens folgt.

Die Böses getan haben und in der Feindschaft Gottes gestorben sind, erhalten ihre Leiber ebenfalls zurück. Auch ihre Leiber sind vollkommen, unzerstörbar und unsterblich. Doch dient ihnen ihre Unzerstörbarkeit und Unsterblichkeit nur dazu, ewige unsagbare Qualen zu erdulden, denen sie weder durch Schwäche noch durch Tod entgehen können: "Sie werden gepeinigt werden Tag und Nacht in alle Ewigkeit." (Off. 20, 10) Selbstverständlich fehlen ihren Leibern die Klarheit, Beweglichkeit und Geistigkeit, die eine Folge der ewigen Seligkeit sind.

Ein Fegfeuer gibt es nicht mehr, denn mit der Vollendung der Welt haben alle ihr endgültiges Ziel erreicht: den Himmel oder die Hölle.

Das ist die Vollendung der Welt: die verklärte, verherrlichte, vergöttlichte Schöpfung. Sie umfasst das ganze geheiligte Universum: die heiligen Engel, die heiligen Menschen, die gereinigte und verklärte Materie. Das ist der neue Himmel und die neue Erde.

"Draußen aber sind die Hunde und die Zauberer, die Unzüchtigen und die Mörder, die Götzendiener und jeder, der die Lüge liebt und sie begeht." (Off. 22, 15) Alles Übel und alles Böse ist damit für immer von der verklärten Schöpfung ausgeschieden und besteht in ewiger Trennung von ihr fort: Die Dämonen, die verdammten Menschen und der "Feuersee": die Hölle.

Quelle: Archiv der Herz Jesu Franziskaner. Überarbeitet von Andreas Endl

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Maria, Jungfrau und Gottesmutter

Eine Darlegung der katholischen Wahrheit wäre nicht vollständig ohne die Lehre über Maria, die Mutter des Sohnes Gottes.

Gottesgebärerin

"Siehe, du wirst empfangen und einen Sohn gebären und seinen Namen Jesus nennen. Dieser wird groß sein und Sohn des Allerhöchsten genannt werden; Gott, der Herr, wird ihm den Thron seines Vaters David geben, und er wird herrschen über das Haus Jakob ewiglich, und seines Reiches wird kein Ende sein." (Luk 1,31)

Schon in der ältesten Marienantiphon "Sub tuum praesidium" wird in der griechischen Urfassung Maria als "Gottesgebärerin" bezeichnet. Viele Kirchenväter und Schriftsteller nennen sie bereits im 3. Jahrhundert so.

Im Jahre 413 findet in Ephesus ein Konzil statt. Ephesus ist die Stadt, in der Maria gemäß der Überlieferung nach der Himmelfahrt ihres Sohnes lebte. Denn in Ephesus war der Apostel Johannes Bischof, und ihm hatte Christus seine Mutter vom Kreuze herab übergeben.

Das Konzil von Ephesus beschäftigt sich mit den Lehren eines Mannes namens Nestorius. Diese Lehren liefen darauf hinaus, zu behaupten, Maria habe nur einen einfachen Menschen geboren. Erst danach habe sich mit diesem Menschen das Wort Gottes, die zweite Person der Dreifaltigkeit, aufs innigste verbunden. Dagegen hält das Konzil von Ephesus fest: Maria ist "Theotokos", "Gottesgebärerin".

Maria hat den Sohn Gottes geboren. Nicht irgendeinen Menschen, sondern die zweite göttliche Person selbst. Jesus, ihr Sohn, ist Gott. Er ist Jahwe. Und zwar von Anfang an. Ihn, das Wort Gottes, hat sie bei der Verkündigung des Engels in ihrem Schoß empfangen, Ihn, das Wort Gottes, hat sie neun Monate lang getragen, und Ihn, das Wort Gottes, hat sie im Stall von Bethlehem geboren. "Et verbum caro factum est – und das Wort ist Fleisch geworden" (Joh 1,14), so beschreibt der heilige Johannes dieses Geheimnis.

Quelle: Archiv der Herz Jesu Franziskaner. Überarbeitet von Andreas Endl

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Jungfrau und Mutter

"Siehe, die Jungfrau wird empfangen und einen Sohn gebären und seinen Namen ‚Immanuel' nennen." (Is 7,14)

Diese Prophezeiung des Isaias hat sich in Maria erfüllt. Die Kirche lehrt, dass sie vor, in und nach der Geburt Jungfrau war und blieb, Jungfrau an Leib und Seele.

Jungfrau vor der Geburt: "Und er [ihr Bräutigam Josef] erkannte sie nicht, bis sie einen Sohn gebar, und er gab ihm den Namen Jesus" (Matth 1,25). Diese Stelle greift ganz offensichtlich die Prophezeiung des Isaias auf und will die Jungfräulichkeit Mariens vor der Geburt deutlich machen. Diese ist dem Evangelisten besonders wichtig, weil er zeigen will, dass Jesus Christus keinen menschlichen Vater hat. Sein Vater ist Gott allein.

Jungfrau während der Geburt: " Zur Frau sprach er [Gott]: Zahlreich will ich deine Beschwerden machen und deine Schwangerschaften: unter Schmerzen sollst du Kinder gebären. Und doch steht dein Begehren nach deinem Manne, er aber soll herrschen über dich." (1Mos 3,16) Dies verhängte Gott zur Strafe für die Sünde. Jeder Mensch kommt mit der Erbsünde behaftet zur Welt. Darum ist die Geburt mit Schmerzen und Wehen verbunden. Jesus Christus, der Sohn Gottes, ist ohne Sünde. Auch Maria, seine Mutter, ist ohne Sünde. Darum erfolgt die Geburt ohne Schmerzen, ohne Verletzung der Jungfräulichkeit.

Jungfrau nach der Geburt: "Ein verschlossener Garten ist meine Schwester Braut, eine verschlossene Tür, ein versiegelter Quell" (Hohel 4,12). Der Schoß, der den Sohn Gottes getragen hat, ist geheiligt, ist ein Tempel, ein Gotteshaus. In ihm ist nur Platz für Gott. Nichts Unreines darf in ihn eingehen. Kein mit der Erbsünde behafteter Mensch kann darin empfangen oder daraus geboren werden.

Darum wird Maria zur Mutter der Erlösten. Die in der Taufe "mit Christus gestorben" (Kol 2,20) sind, die ihm gleich geworden sind, die reingewaschen sind durch das reinigende "Bad der Wiedergeburt" (Tit 3,5), die bringt sie gleichsam als Mutter zur Welt. "Er lässt die Kinderlose in der Familie glücklich wohnen als frohe Mutter von Söhnen" (Ps 113,9). So wird sie als Jungfrau zur Mutter aller Gläubigen.

Quelle: Archiv der Herz Jesu Franziskaner. Überarbeitet von Andreas Endl

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